Es gibt kein Limit für Verbesserungen

17.12.2015 | id:11230059

Nachhaltigkeit spielt auch in der Armaturenindustrie eine große Rolle. Der VDMA Fachverband Armaturen stellt einige der Firmen vor, die sich diesem Thema besonders verpflichtet fühlen. Es folgt ein Interview mit Bernhard Wuermeling, Geschäftsführer der GSR Ventiltechnik. Das mittelständisch geprägte Unternehmen mit Sitz im ostwestfälischen Vlotho stellt neben Standardventilen unter anderem Ventile für Hochdruck- Hochtemperatur und Tiefkaltanwendungen her.

Herr Wuermeling, inwieweit können Ventile nachhaltig sein?
Bernhard Wuermeling: Sicherheits- und Qualitätsanspruch treiben die Qualität. Langlebigkeit ist ein wichtiges Teilresultat, denn dadurch werden Ressourcen geschont. Sie setzt sich je nach Anwendung zusammen aus Materialermüdung, Verschleiß und die daraus resultierenden sicheren Schaltzyklen über den gesamten Lebenszyklus. In unserer Anfangszeit waren 50.000 Schaltzyklen innerhalb von 3 Jahren erstrebenswert. Der nächste Sprung ging auf eine halbe Million Schaltzyklen, inzwischen sind wir bei 2 Millionen. Anfang 2015 haben wir eine Anfrage bekommen, ob auch 30 Millionen Schaltzyklen oder alternativ eine Lebensdauer von 15 Jahren für ein Ventil anbieten können. Dieser Herausforderung stellen wir uns. Es gibt kein Limit für Verbesserungen.

Wie erreicht man diese Verbesserungen?
Wuermeling: Verbesserungspotenzial gibt es vor allem in zwei Bereichen. Zum einen bieten neue Materialien neue Möglichkeiten. Früher konnte man zum Beispiel Kunststoff oft nicht einsetzen, weil dieser entweder zu teuer war oder nicht die richtigen Eigenschaften gehabt hat. Heute sind Kunststoffe auf dem Markt, die unglaublich gute Eigenschaften haben und bezahlbar sind. Hinzu kommt, dass die Industrie und damit unsere Kunden sich selber weiterentwickeln und dass es neue Anwendungsmöglichkeiten gibt.
Zum anderen ermöglichen neue Fertigungsfahren Kostenreduzierungen bei gleichbleibend hoher Qualität. Darüber hinaus können wir heute Undichtigkeiten auf eine völlig andere Art und Weise genau messen, als das in der Vergangenheit möglich war, zum Beispiel über Heliumprüfstände. So wird das Zählen von Luftblasen in einem Wasserbehälter, um zu sehen, wieviel Luft aus dem Ventil im geschlossenen Zustand noch entweicht, bald der Vergangenheit angehören.

Überzeugt das Argument Langlebigkeit alle Ihre Kunden?
Wuermeling: Für einen Kunden, der nur möglichst günstig einkaufen will oder kann, ist Langlebigkeit zunächst einmal nicht zwingend ein Kaufargument. Dann ist es unsere Aufgabe zu zeigen, dass unsere Ventile gegebenenfalls günstiger sind, wenn man den gesamten Lebenszyklus, sprich alle Kosten betrachtet. Life-Cycle-Costs  ist mit Sicherheit ein echt nachhaltiges Argument. Es ist für uns eine Bringschuld, langlebige Produkte zu entwickeln und die Vorteile dem Kunden aufzuzeigen.

Sind Spezialventile auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit?
Wuermeling: Auf jeden Fall. Spezialventile sind auf die jeweilige Umgebung und an die jeweiligen Systeme  anzupassen. Wir decken Bereiche bis zu 450 Grad Celsius und 1200 bar ab und nutzen für diese Spezialventile auch die Erfahrungen aus den Standardventilen. Spezialventile werden unter anderem im Bereich Clean Energy verwendet. Somit sollten nur Produkte verwendet werden, die die den Nachhaltigkeitsgedanken unterstützen. Beispiel Blockbauweise: Systemrelevante Produkte werden wenn möglich nicht über Rohrleitungen miteinander verbunden, sondern direkt in einem Block zusammengefasst. Die Montage ist deutlich günstiger, der Platzbedarf ist geringer, es gibt weniger Verschraubungen und damit auch weniger mögliche Undichtigkeiten. Der Service wird auf einen Punkt in der Anlage konzentriert. Für Erdgas CNG- und Flüssiggas LNG-Tankstellen sind Blocksysteme kaum noch wegzudenken.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Spezialventilen?
Wuermeling: In den letzten 10 Jahren hat die Nachfrage deutlich zugenommen, besonders im Energiebereich bei CNG und LNG und bei den Industriegasen, etwa bei Kryo-tiefkalten Anwendungen.  Hohe Drücke, und sehr niedrige und Temperaturen ermöglichten erst neue Verfahren. Die Nachfrage nimmt deutlich zu. Spezialventile, die an die Kundenbedürfnisse angepasst sind, machen bei uns inzwischen circa 30 Prozent des Umsatzes aus. Die Anforderungen unterliegen einem ständigen Wandel, und unsere Anpassungsfähigkeit ist ein besonderes  Differenzierungsmerkmal, das wir als Unternehmen haben.

Ihr Unternehmen ist an dem Brennstoffzellen-Projekt „Adelheid“ der nordrhein-westfälischen Landesregierung beteiligt. Was tun Sie da?
Wuermeling: Aus Kerosin, Benzin oder Diesel wird wasserstoffhaltiges Gas gewonnen. Mit Hilfe der Brennstoffzelle entsteht daraus elektrische Energie. Hier werden sichere  Hochdruckventile benötigt, die wir herstellen, und auf die besonderen Bedürfnisse anpassen können. Daraus muss am Ende ein nachhaltiges Serienventil werden. Diese Technologie steuern wir dem Projekt „Adelheid“ bei.  

Sicherheit spielt bei Ventilen eine große Rolle. In der Kraftwerkstechnik beispielsweise. Sind die Anforderungen daran überall ähnlich hoch?
Wuermeling: Europa und die USA haben sehr hohe Sicherheitsstandards. Aber es gibt auch Länder, in denen es wenig Sicherheitsstandards gibt, in Teilen Asiens und Afrikas etwa. Als Hersteller verpflichten wir uns zum Sicherheitsstandard des Produktionslandes, also Deutschlands. Wir liefern unsere sicheren Made-in-Germany-Ventile nach deutschem Sicherheitsstandard auch dorthin, wo der hohe Standard nicht gefordert wird. Damit tragen wir dazu bei, dass die Anlagensicherheit auch in Regionen mit begrenzten Normen und Standards hoch ist.

Was bedeutet Nachhaltigkeit  für Ihr Unternehmen?
Wuermeling: Für uns bedeutet das sozialverantwortliches und langfristiges Denken. Aus Sicht der Ökonomie ist es für uns wichtig, dass wir eine langfristige Unternehmenspolitik betreiben. Das heißt, dass wir bei unseren Produkte am Puls der Zeit sein müssen, unsere Qualität muss bestmöglich sein, und auch unsere Prozesse müssen auf die Zukunft ausgerichtet sein. Aus Sicht der Ökologie ist es für uns wichtig, dass wir ressourcenschonend produzieren und uns dabei auch fragen, welche Auswirkungen unsere Produkte am Ende beim Kunden haben. Aus sozialer Sicht schließlich bedeutet Nachhaltigkeit für uns in erster Linie Beschäftigungssicherung als gesellschaftliche Verantwortung.

Bildquelle : http://www.ventiltechnik.de/

Treser, Isabella
Treser, Isabella