Wasser für alle - Wie Wasserverluste vermieden werden

02.05.2014 | id:3805253

Vom 5.-9. Mai fand in München die IFAT 2014, Weltleitmesse für Wasser- Abwasser, Abfall- und Rohstoffwirtschaft, statt. Viele Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus zeigten dort nachhaltige Produkte und Technologien, mit denen Ressourcen gespart werden und die Umwelt geschützt wird. Der VDMA Fachverband Armaturen nahm die Messe zum Anlass für ein Interview mit einem der führenden Exponenten dieser Branche, Dr. Burkhard Schmolck, Geschäftsführer der Saint-Gobain PAM Deutschland GmbH über das große Thema unserer Zeit: Nachhaltigkeit. Das zum französischen Baustoff-Konzern Saint-Gobain gehörende Saarbrücker Unternehmen stellt Rohrsysteme aus duktilem (verformbarem) Gusseisen für die Wasser- und Abwasserversorgung her.

Weitere Interviews werden in den kommenden Monaten bei speziellen Anlässen folgen.

Herr Dr. Schmolck, Wasser ist vielerorts ein knappes Gut. Dennoch wird viel Wasser verschwendet. Wie kann Armaturentechnik hier helfen?
Dr. Burkhard Schmolck: Armaturen sind der Schlüssel, um Wasserflüsse und Wasserdrücke zu optimieren und damit auch Wasser zu sparen. Das geschieht, indem Wasser genau dann und genau dorthin geleitet wird, wann und wo es gebraucht wird. Armaturen tragen damit wesentlich dazu bei, Wassernetze wirtschaftlich und ressourcenschonend zu betreiben. Neben der Wassereinsparung durch optimale Regelung haben moderne Armaturen aber noch andere nachhaltige Effekte. Sie kommen beispielsweise ohne externe Energie aus, indem sie die Energie aus dem Medium Wasser nutzen. Diese Armaturen brauchen also keinen elektrischen Anschluss. Die Systeme werden ständig weiterentwickelt. Bei Saint-Gobain PAM Deutschland liegt der Anteil des Umsatzes mit Produkten, die seit weniger als fünf Jahren auf dem Markt sind, bei vierzig Prozent.

Wie groß ist das Einsparpotenzial?
Dr. Schmolck: Durch optimiertes Druckmanagement kann je nach Art der Abnehmer sowie Zustand und Betrieb des Leitungsnetzes der Wasserverbrauch um bis zu dreißig Prozent reduziert werden. Mit einem durch Regelarmaturen optimierten Betrieb des Netzes, gegebenenfalls in Kombination mit modernen Pumpen, können bis zu fünfzig Prozent der Betriebsaufwendungen eingespart werden. Auch das Risiko zusätzlicher Wasserverluste wird minimiert, da die Steuerung den Zustand des Netzes berücksichtigen kann.

Worin besteht der Vorteil, den gusseiserne Rohrleitungssysteme gegenüber anderen Materialien haben?
Dr. Schmolck: Rohrsysteme aus Gusseisen sind die einzigen, die in der Wasserversorgung schon mehr als eine hundertjährige Lebensdauer bewiesen haben. Sie sind damit nachweislich sehr nachhaltig. Technische Verbesserungen verlängern die Lebensdauer ständig weiter, insbesondere die Korrosionsbeständigkeit. Ein relativ leichtes Rohr, das heute mit einem Korrosionsschutz-System hergestellt wird, hält noch deutlich länger als ein schwereres, das vor vierzig Jahren ohne diesen Schutz produziert wurde. Darüber hinaus sind Rohre aus Gusseisen im Gegensatz zu anderen Materialien wie beispielsweise Beton oder Kunststoff diffusionsdicht. Damit bleibt Trinkwasser sauber und Abwasser kann nicht in die Umwelt gelangen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Gusseisen zu hundert Prozent recycelbar ist, und zwar beliebig oft und ohne Veränderung seiner Eigenschaften.

Wieso ist es wichtig, dass die gusseisernen Rohleitungen duktil, also verformbar sind?
Dr. Schmolck: Rohre aus duktilem Gusseisen sind besonders robust. Sie sind elastisch und als Sicherheitsreserve bei Überbeanspruchung plastisch verformbar - ohne zu brechen. Belastungen einer Leitung ergeben sich beispielsweise aus Geländesenkungen, Druckstößen und Verkehr – nicht zu vergessen vor ihrer Inbetriebnahme aus Baustellentätigkeit. Die hohen zulässigen Spannungen – Druck und Zug - sind Garanten einer sicheren Wasserversorgung. Die Rohre halten eben.

Warum werden gusseiserne Rohrleitungssysteme mit ihren vielen Vorteilen nicht überall eingesetzt?
Dr. Schmolck: Der Werkstoff duktiles Gusseisen ist teurer als manche andere. Man darf aber nicht nur die Kosten für das Rohr vergleichen, sondern muss beispielsweise auch die Einbaukosten berücksichtigen. Die können bei einem Rohr aus duktilem Gusseisen deutlich niedriger sein, weil es beispielsweise nicht verschweißt werden muss und man stattdessen Steckmuffen-Verbindungen verwendet. Die können sogar bei tiefen Temperaturen montiert werden. In vielen Fällen braucht man keine Sandbettung und kann den Boden, den man ausgehoben hat, nach Einbau des Rohres wieder verwenden. Das spart Transportkosten. Wenn man die Lebenszeitkosten vergleicht, hat Gusseisen ebenfalls viele Vorteile.

Was treibt die Kommunen und Landkreise hierzulande an, wenn sie in Infrastruktur beim Wasser investieren?
Dr. Schmolck: Für Kommunen und Wasserversorger spielen die Kosten der Wasserversorgung natürlich eine große Rolle. Sie bestimmen ja schließlich auch den Wasserpreis. Aber die Kommunen reagieren zunehmend auf das in der Bevölkerung allgemein gestiegene Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Es zeichnet sich heute schon ab, dass Wasserversorger künftig auch den Nachweis eines „ökologischen Fußabdrucks" fordern werden. Wir bieten heute schon Umweltdeklarationen für unsere Produkte. Mit dem gestiegenen Nachhaltigkeitsbewusstsein setzt sich nach und nach auch der Gedanke durch, dass der gesamte Lebenszyklus der Infrastruktur von der Herstellung der Komponenten über den Einbau, Betrieb und Instandhaltung bis zum Recycling am Lebensende betrachtet werden muss, wenn man die Gesamtkosten und die Umweltbelastung reduzieren möchte.

Saint-Gobain PAM hat das Zertifikat ISO 14001 für gutes Umweltmanagement bekommen. Was haben Sie vorzuweisen?
Dr. Schmolck: Alle 20 Saint-Gobain PAM Produktionsstätten in Europa, Afrika, Asien und Südamerika sind nach der ISO 14001 zertifiziert. Bei PAM Deutschland stellen wir zum Beispiel duktiles Gusseisen ausschließlich aus Recyclingmaterial her. Seit neuestem setzten wir als Deckbeschichtung für unsere Rohre Wasserlack ohne Lösemittel ein. Lösemittel belasten bekanntlich die Umwelt – und Umweltbelastungen wollen wir minimieren, am besten ganz vermeiden. Für die Trocknung des Wasserlacks brauchen wir übrigens auch weniger Energie. Darüber hinaus haben wir unsere Abfallmengen in den letzten Jahren deutlich reduziert und mehr und mehr der Restabfälle weiter verwertet. Unser Ziel ist, alles zu verwerten, also keinen Abfall zu erzeugen.

Wo liegen die Wachstumsmärkte für Saint Gobain PAM?
Dr. Schmolck: Der Weltmarkt für Wasserversorgung wächst. Insbesondere in Schwellenländern, wo noch sehr viel Infrastruktur geschaffen werden muss und wo es Wasserknappheit gibt. In Europa ist der Markt in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Allerdings ist es so, dass in Südeuropa, vor allem in Italien und Spanien, in vielen Regionen das Wasser knapp ist. Deshalb gehen wir davon aus, dass dort wieder mehr in Infrastruktur investiert werden wird, sobald diese Länder die Folgen ihrer Finanzkrisen überwunden haben werden. Andererseits erwarten wir nicht, dass der Wassermarkt in Deutschland wachsen wird. Hier wird vielerorts nicht genug investiert, um auch nur die bestehende Infrastruktur zu erhalten.

Bildquelle : www.messe-muenchen.de

Treser, Isabella
Treser, Isabella