Die deutschen Hersteller von Industriearmaturen haben sich über Jahrzehnte zu Recht einen sehr guten Ruf erarbeitet

03.06.2015 | id:8372106

RITAG ist ein international führender Hersteller von Rückschlagarmaturen, Probenahmesystemen und Bodenventilen.  Am neuen Standort in Osterholz-Scharmbeck befindet sich eine der modernsten Fertigungsstätten für Industriearmaturen in Europa. Zahlreiche Innovationen und Patentanmeldungen unterstreichen den Anspruch an die Erfüllung kontinuierlich wachsender Anforderungen der Kunden. Mit rund 50 Vertretungen und Partnern ist RITAG weltweit aktiv und erreicht so die internationalen Kunden aus der Chemie- und Pharmaindustrie, der Petrochemie sowie der Öl- und Gasindustrie. Thomas Gellweiler ist Geschäftsführender Gesellschafter der RITAG.

Herr Gellweiler, bis zur ACHEMA 2015 sind es nur noch wenige Wochen - welche Erwartungen haben Sie an die nächste ACHEMA?
Thomas Gellweiler: Die ACHEMA ist nicht nur die weltweit größte Messe ihrer Art,  sondern auch für uns die wichtigste Ausstellung im Messekalender. Wir freuen uns darauf, unsere Neuheiten vorzustellen und diese mit unseren Kunden zu diskutieren. Insbesondere unsere Neuheiten zum Thema Rückschlagarmaturen in PTFE-Auskleidung, LNG-Anwendung und EHEDG-Zulassung sowie Probenahme-systeme werden dabei im Fokus stehen.

In welchem konjunkturellen Umfeld findet die ACHEMA  2015 statt?
Gellweiler:Die ACHEMA 2015 findet in einem für die Industriearmaturenhersteller nicht ganz einfachen Umfeld statt. Es fehlt in Europa noch immer die Dynamik aus den Jahren vor 2008. Die politischen Unsicherheiten in vielen Teilen der Welt, die gerade auch für die Hersteller von Industriearmaturen von großer Bedeutung sind, sorgen zumindest nicht für eine Aufbruchstimmung in diesen Regionen. Der deutlich gesunkene Ölpreis lässt Neubauprojekte im Raffineriesegment  in den nächsten ein bis zwei Jahren fraglich erscheinen. Auf der anderen Seite sorgt natürlich der niedrige Ölpreis gepaart mit der Zinsentwicklung und dem Eurokurs für neue Nachfrageimpulse, die hoffentlich kein Strohfeuer sind.

Wie beurteilen Sie die Rolle der deutschen Industriearmaturenhersteller im internationalen Vergleich?
Gellweiler: Die deutschen Hersteller von Industriearmaturen haben sich über Jahrzehnte zu Recht einen sehr guten Ruf erarbeitet. In den vergangenen Jahren wurde auch die Internationalisierung weiter vorangetrieben und mit neuen Produkten und Zulassungen neue Standards gesetzt. Der günstige Eurokurs wird diese Entwicklung weiter unterstützen. Allerdings stehen zunehmende Bestrebungen nach "local content" dem in einigen Märkten entgegen und fördern lokalen Wettbewerb.

Welche Trends und Neuheiten werden Ihrer Einschätzung nach zu beobachten sein?
Gellweiler: Für Hersteller von Regelarmaturen wird die intelligente Steuerung und Vernetzung eine Rolle spielen. Für mediumgesteuerte Armaturen sehen wir wachsenden Bedarf im Bereich extrem hochwertiger Armaturen mit entsprechenden Zulassungen. Hier setzen wir bei RITAG auf die Pharma- und Lebensmittelindustrie mit steigender Nachfrage nach EHEDG-zugelassenen Armaturen. Aber auch im Bereich Rückschlagarmaturen für LNG, Probenahmesysteme und PTFE-ausgekleidete Rückschlagarmaturen sehen wir einen Trend zu qualitativ hochwertigen Armaturen. Hier haben wir bei RITAG ein großes Angebot auch an besonders auf Kundenanforderungen ausgerichtete Lösungen.

Welche Veränderungen ergeben sich durch die Energiewende auf dem europäischen Markt? Wie reagieren Ihre Abnehmerbranchen?
Gellweiler: Durch die Energiewende und den damit verbundenen weitgehenden Stopp vom Bau konventioneller Kraftwerke kommt es auch im Armaturenbau zu Veränderungen. Der Einsatz von dezentraler Energieerzeugung im privaten Verbrauch, On- und Offshore Windparks sowie Einsparungen im allgemeinen Verbrauch führen zu Veränderungen im Einkaufsverhalten unserer Abnehmerbranchen. So wünschenswert die Energiewende politisch auch sein mag, führt sie nicht zu vermehrtem Einsatz von Industriearmaturen in Deutschland insgesamt.
 
Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie, speziell im Hinblick auf Ihre Produkte?
Gellweiler: Wir sind sehr froh, dass das Thema Nachhaltigkeit von unseren Kunden in der chemischen Industrie vorangetrieben wird. Insbesondere die TfS-Initiative der Chemieindustrie lenkt die Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Wir haben bereits vor Jahren als einer der ersten Armaturenhersteller eine Zertifizierung nach ISO 14001 und OHSAS 18001 erwirkt. Diese Zertifizierungen im Zusammenspiel mit Zulassungen nach ISO 9001 und PED sowie unsere Konformität nach ISO 29001 münden bei uns bereits lange in ein Integriertes Managementsystem, was in unserem Unternehmen lange gelebte Praxis und kein Schlagwort ist. Wir begrüßen unsere Kunden heute in einer der modernsten Fertigungsstätten für Industriearmaturen in Europa, die auch für Nachhaltigkeit steht.
 
Was sind die Herausforderungen und Hindernisse, um bei dem Thema Industrie 4.0 entscheidende Fortschritte zu machen? Welche Rolle spielt die Prozesstechnik?
Gellweiler: Das Thema Industrie 4.0 wird sicher zu Recht thematisiert. Soll es doch helfen, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, mindestens aber zu festigen. Dabei ist aber letztlich entscheidend, wie jedes Unternehmen für sich mit diesem Thema umgeht und es auch umsetzt.
Wir versuchen bereits seit Jahren, den Einsatz intelligenter EDV auch in unserer Produktion zu nutzen, wo immer es sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist. Hier sehen wir uns sehr fortschrittlich aufgestellt.

Es wird weltweit viel kopiert – wie schützt sich Ihr Unternehmen dagegen?
Gellweiler: Wir versuchen, uns durch diverse Patent- und Geschmacksmusteranmeldungen in den für uns relevanten Märkten zu schützen. Grundsätzlich ist aber der beste Schutz, dem Wettbewerb immer ein Stück voraus zu sein. Insbesondere im Hinblick auf die Kombination aus der Lieferung einer erstklassigen Armatur in kurzer Lieferzeit zu einem akzeptablen Preis. Dies bei einer Variantenvielfalt, die theoretisch im Millionenbereich liegt, zu ermöglichen, ist unser tägliches Bestreben und lässt sich nur schwer kopieren.

Was wünschen Sie sich von der ACHEMA 2015? 
Gellweiler: Die ACHEMA ist für RITAG die wichtigste Messe für die Chemieindustrie. Wir hoffen auf einen großen Zuspruch und Gespräche von den Mitarbeitern aus der chemischen Industrie. Das sind unsere wichtigen Gesprächspartner, mit denen wir im regelmäßigen Austausch bleiben möchten, um RITAG auch weiterhin an ihren Wünschen und Bedarfen auszurichten.

Bildquelle : http://www.ritag.de/

Tembrink, Hartmut
Tembrink, Hartmut