Warschau kurbelt sozialen Wohnungsbau an

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Nachdem Polens Programm für sozialen Wohnungsbau bisher nur zögerlich anlief, wird es nun neuen Schwung erhalten. 20.000 Sozialwohnungen sollen gebaut werden. Der Wohnungsmarkt insgesamt befindet sich weiter im Aufschwung.

Das 2017 gestartete polnische Programm für sozialen Wohnungsbau, Mieszkanie+ (Wohnung plus), soll 2020 Fahrt aufnehmen. Mieszkanie+ hat die Errichtung preisgünstiger Mietwohnungen mit einer späteren Kaufoptionen zum Ziel. Nach Plänen der Regierung sollen so rund 100.000 Einheiten entstehen. Um die Bautätigkeit zu beschleunigen, schlägt Entwicklungsministerin Jadwiga Emilewicz unter anderem vor, dass private Bauentwicklungsgesellschaften einen Teil der von ihnen gebauten Wohnungen als Sozialwohnungen errichten.

Bei der Vergabe von Grundstücken soll das Unternehmen den Zuschlag erhalten, das die größte Fläche innerhalb der von ihm geplanten Wohnhäuser als Sozialwohnungen reserviert. Emilewicz strebt an, dass etwa 15 bis 20 Prozent der von interessierten privaten Bauentwicklern errichteten Wohnungen unter das Programm Mieszkanie+ fallen. Investoren können als Anreiz öffentliche Grundstücke zu günstigeren Preisen erwerben.

Bisher entwickelte sich die Bautätigkeit im Rahmen dieses Programms eher zögerlich. Seit der Einführung wurden bis Ende 2019 nur 867 Wohnungen fertig gestellt, so die für die Umsetzung von Mieszkanie+ zuständige staatliche Gesellschaft PFR Nieruchomosci S.A. (PFR Immobilien AG). Ende 2019 befanden sich 1.907 Einheiten im Bau, davon wurden 1.243 erst im gleichen Jahr begonnen. Die Baukosten pro Wohnung veranschlagt PFR Nieruchomosci auf durchschnittlich etwa 70.842 Euro.

Bau von 20.000 Einheiten im Jahr 2021

PFR Nieruchomosci will künftig jährlich Projekte für rund 20.000 Sozialwohnungen in Angriff nehmen. Im Jahr 2021 soll sich bereits diese Anzahl im Bau befinden. Das wäre eine deutliche Beschleunigung gegenüber 2020 mit voraussichtlich rund 3.500 im Bau befindlichen Sozialwohnungen, so der Vorsitzende der Gesellschaft Miroslaw Barszcz. Als Standorte dafür werden sowohl Groß- als auch Kleinstädte gewählt. Künftig soll der Schwerpunkt jedoch stärker auf kleineren Städten liegen.

So begannen im Dezember 2019 Bauarbeiten in Radom, Lowicz, Krakow und Zamosc, nachdem sie kurz zuvor unter anderem in Debica, Minsk Mazowiecki und Swidnik gestartet waren. In Radom errichtet die örtliche Baufirma Arbud zwei sechsstöckige Gebäude mit 124 Wohnungen. Etwa 60 Prozent sind Dreizimmerwohnungen mit durchschnittlich 59 Quadratmetern. Die Übergabe ist für Oktober 2021 geplant. Laut einer Untersuchung der PFR Nieruchomosci interessieren sich 2.403 Haushalte für die Wohnungen in Radom. Rund 20 Interessenten kommen auf eine Wohnung.

Um die hohe Nachfrage zu bedienen, sind zum Jahreswechsel 2019/2020 laut PFR Nieruchomosci für 25.600 Sozialwohnungen Baugenehmigungen beantragt, rund 18.000 weitere befinden sich im Entwurfsstadium, und die Möglichkeiten zum Bau von 23.800 Einheiten werden untersucht. Das Ministerium für Entwicklung (Ministerstwo Rozwoju; MR) trat mit Vertretern des Baugewerbes in einen Dialog, um Bauentwicklungsfirmen für das Programm Mieszkanie+ zu gewinnen.

Allgemeiner Wohnungsbau wächst

Der Wohnungsbau insgesamt lässt eine moderate Steigerung erwarten. Ende November 2019 befanden sich laut dem Statistischen Hauptamt in Polen 832.800 Wohneinheiten im Bau, das waren 3,5 Prozent mehr als Ende November 2018. Außerdem wurde im Laufe der ersten elf Monate 2019 eine Baugenehmigung erteilt beziehungsweise Projekte eingereicht für 248.400 Einheiten (+4,5 Prozent). Eine Baugenehmigung erhielten im 1. Halbjahr 2019 rund 51.100 Ein- und Mehrfamilienhäuser. Gut die Hälfte (53,6 Prozent) der von Januar bis Juni insgesamt erteilten Baugenehmigungen betraf den Wohnungsbau.

Quelle: gtai