Turkmenistan investiert in Großprojekte der Chemiebranche

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Turkmenistan will in den nächsten Jahren rund 10 Milliarden US-Dollar für Projekte für den Ausbau der chemischen sowie Gas- und Petrochemie ausgeben.

Die Wirtschaft Turkmenistans ist stark abhängig von Erdgas- und Rohölexporten. Sie stehen für 75 Prozent der Gesamtausfuhren des Landes. Heute, in Zeiten niedriger Weltmarktpreise für Kohlenwasserstoffe, leidet das Land an seiner einseitigen wirtschaftlichen Ausrichtung. Das Land verfügt aber über große Vorkommen an mineralischen Salzen, Sulfaten, Schwefel sowie hochmineralisierten jod- und bromhaltigen Tiefenwässer. Ziel neuer Entwicklungsprogramme ist eine Erhöhung der Wertschöpfung durch massive Investitionen in die Veredelung von Gas und Öl.

Chemiekonzern Türkmenhimiya investiert mehr als zwei Milliarden US$

Das Entwicklungsprogramm Turkmenistans für die Jahre 2919 bis 2025 sieht in der Chemieindustrie (ohne Gas- und Petrochemie) die Umsetzung von Projekten für 2,6 Milliarden US$ vor. Allein der Staatliche Konzern Türkmenhimiya (Turkmenische Chemie) will 2 Milliarden US$ in die Produktion von Stickstoff- und Phosphordünger, kaustischer Soda, Chlor-, Jod- und Bromerzeugnissen investieren.

Die private Gesellschaft Türkmen kaliy steht hinter einem 600-Millionen-US$-Projekt für die Förderung von Kalisalzen und die Produktion von Natriumchlorid. Unter jenen Projekten, die der Konzern Türkmenhimiya jüngst bekanntgegeben hat und die noch keinen Eingang in das Entwicklungsprogramm gefunden haben, ragt der geplante Bau einer Anlage für die Herstellung von Ammoniak und Harnstoff hervor.

In den ersten elf Monaten 2019 produzierten die Betriebe von Türkmenhimiya chemische Erzeugnisse für 353 Millionen US$. Die außerhalb des Konzerns tätigen Chemiebetriebe stellten vorrangig Kunststoff-, haushaltschemische und pharmazeutische Waren her (geschätztes Aufkommen im Jahr 2019: 40 bis 45 Millionen US$).

Geplant sind Investitionen in Anlagen für die Produktion des Synthesekautschuks Styrol-Butadien-Kautschuk sowie für Polystyrol, für die Verarbeitung von Ethan und für die Herstellung von Polyvinylacetat. Ganz oben auf der Projektliste des Staatskonzerns Türkmengaz steht die Errichtung einer Großanlage für die Produktion von Polyolefinen und eines Werkes für die Herstellung von Benzin aus Erdgas.

Türkmengaz steckt vier Milliarden US-Dollar in Polyolefin-Großanlage

Das Großprojekt soll in den Jahren 2021 bis 2025 in der Ortschaft Kiyanly am östlichen Ufer des Kaspisees umgesetzt werden. Es entstehen Anlagen für die Produktion der Standardkunststoffe Polypropylen, HDPE und PVC. Kiyanly ist bereits Standort des im Herbst 2018 in Betrieb genommenen ersten Gaschemiekomplexes Turkmenistans.

Dieser besteht aus einer Gastrennungsanlage (jährliche Kapazität: fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas), einer Olefin-Umwandlungseinheit (Ethan-Cracker-Anlage) sowie Anlagen für eine Produktion von jährlich bis zu 386.000 Tonnen HDPE und 81.000 Tonnen Polypropylen. Hauptauftragnehmer war ein Konsortium unter Beteiligung von LG International, Hyundai Engineering (beide Korea/Rep.) und Toyo Engineering (Japan). Im Zeitraum Januar bis Mitte November 2019 produzierte das Werk 68.000 Tonnen Polyethylen und 13.000 Tonnen Polypropylen vorwiegend für den Export.

In einer frühen Planungsphase befindet sich Turkmenistans zweites Projekt für die Erzeugung von Benzin aus Erdgas. Eine erste solche GTG-Anlage (gas to gasoline) betreibt das Land seit Juni 2019 in Owadandepe (Region Ahal). Die Fabrik kann jährlich bis zu 1,8 Milliarden Kubikmeter Gas zu 600.000 Tonnen Benzin, 12.000 Tonnen Dieselkraftstoff und 115.000 Tonnen Flüssiggas verarbeiten.
Eine Übersicht der geplanten Projekte in der chemischen, Gas- und Petrochemie Turkmenistans können Sie hier herunterladen.

Quelle: gtai