Iran: Kapazitätsausbau im Kraftwerkssektor mit Fragezeichen

Shutterstock

Im Kraftwerkssektor werden die reaktivierten US-Sanktionen Kooperationen mit ausländischen Unternehmen erheblich behindern. Viele geplante Projekte dürften auf Eis gelegt werden oder sich stark verzögern.

Iran möchte bis 2025 seine Kraftwerkskapazitäten zur Deckung des kontinuierlich steigenden lokalen Bedarfs und zur Ausweitung des Stromexports um etwa 40 GW ausbauen. Erneuerbare Energien sollen an Bedeutung gewinnen, werden aber auch mittelfristig eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Regierungsplanung sieht bis 2025 eine Steigerung der installierten Kraftwerkskapazitäten von aktuell rund 80 auf über 120 Gigawatt (GW) vor. Schon vor dem Rückzug westlicher Unternehmen aus Iran aufgrund der im Mai (2018) verkündeten Reaktivierung der US-Sanktionen erscheint diese Planung als sehr ambitioniert. Nach Angaben der Iran Power Generation and Transmission Company (Tavanir) konnten die installierten Kraftwerkskapazitäten zwischen 2014/15 (iranisches Jahr; 21.3. bis 20.3.) und 2017/18 nur um 5,3 auf 78,5 GW erweitert werden.

Die Kapazitäten erhöhten sich 2017/18 um 2.056 MW, davon entfielen auf Gasturbinenkraftwerke 558 Megawatt (MW), auf Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD) 800 MW, auf Wasserkraftanlagen 365 MW, auf verbrauchsnahe Kleinkraftwerke (Distributed Generation/DG) und Heizkraftwerke (Wärme Kraft Kopplung, Combined Heat and Power/CHP) 233 MW und auf erneuerbare Energien 100 MW. Im ersten Quartal 2018/19 (21.3. bis 20.6.) sollten neue Anlagen mit insgesamt etwa 1 GW hinzukommen.
Das Energieministerium verfügt über Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von etwa 36 GW, das entspricht einem Anteil von 46 Prozent an den gesamten Kapazitäten des Landes. Alle nicht vom Ministerium betriebenen Kraftwerke werden als privat klassifiziert. Allerdings handelt es sich zum Großteil um Kraftwerke, die zwar in privater Rechtsform geführt, aber von nicht-privaten Eigentümern kontrolliert werden.

Stromverbrauch steigt kräftig

Die Stromproduktion (brutto) stieg im Zeitraum 2013/14 bis 2017/18 um insgesamt 23 Prozent auf 313 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Im vergangenen Jahr (2017/18) gab es gegenüber dem Vorjahr ein kräftiges Plus von 8 Prozent. Aufgrund hoher Netzverluste und des Eigenverbrauchs der Kraftwerke liegt der Stromverbrauch (verkaufte Strommenge) immer deutlich unter der Stromerzeugung. Für 2017/18 wird der Stromverbrauch mit 256 Milliarden kWh (2016/17: 237 Milliarden kWh) angegeben. Auch zukünftig werden kontinuierliche Zuwachsraten erwartet, mit einem jährlichen Verbrauchsanstieg von durchschnittlich bis zu 5 Prozent wird gerechnet.

Prognosen erwarten für 2018 eine Erhöhung der in den heißen Sommermonaten erreichten Spitzenlast auf 58 GW (2017: 55,4 GW, 2016: 53,2 GW), vor zehn Jahren waren es 37,7 GW. Die Spitzenlast ist die entscheidende Planungsgröße, um Versorgungsengpässe (Stromausfälle) zu vermeiden. Die Spitzenlast wurde 2017 am 30. Juli erreicht. Den benötigten 55,4 GW standen als verfügbare Kapazitäten nur 67 Prozent der installierten Kapazitäten (53,8 GW) gegenüber, die erforderlichen restlichen 0,6 GW mussten durch Stromimporte gedeckt werden.

Iran möchte nicht nur die eigene Stromversorgung sichern, sondern auch den Stromexport deutlich steigern. Iran muss zwar während Spitzenlastphasen Strom importieren, ist aber insgesamt ein Nettostromexporteur. Die Stromlieferungen ins benachbarte Ausland haben sich 2017/18 um 24 Prozent auf 8,1 Milliarden kWh erhöht.

Kapazitätsausbau mit Fragezeichen

Nach der Anfang 2016 erfolgten Lockerung der Sanktionen hatte Iran mit vielen ausländischen Unternehmen über Kraftwerksprojekte verhandelt, zahlreiche Absichtserklärungen/Vorverträge wurden unterzeichnet. Im Februar 2018 erklärte das Energieministerium, mit ausländischen Investoren seien Kraftwerksprojekte im Wert von 12,3 Milliarden US-Dollar (US$) vereinbart worden. Darunter sollen Solarprojekte mit einer Gesamtkapazität von 2 GW für 2,5 Milliarden US$ sein. Angesichts der Reaktivierung der US-Sanktionen dürften die meisten dieser Vorhaben nun vorerst zu den Akten gelegt werden.

Zu den wichtigen Projekten im Kraftwerkssektor gehörte auch eine 2016 vereinbarte Kooperation zwischen Irans führendem Maschinenbauer Mapna und Siemens. Damals erklärte Siemens: "Zum einen wird Mapna im Rahmen einer Lizenzvereinbarung Siemens F-Klasse-Gasturbinen im Iran produzieren. Die Kooperation der beiden Unternehmen umfasst die Lieferung von mehr als 20 Gasturbinen sowie der dazugehörigen Generatoren in den nächsten zehn Jahren. Als erstes Projekt der Lizenzvereinbarung unterzeichneten beide Unternehmen einen Vertrag für das Kraftwerksprojekt Bandar Abbas. Siemens wird dafür zwei F-Klasse-Gasturbinen und Generatoren liefern. (...)." Es wurde auch vereinbart, einen Plan für die Erweiterung und Optimierung des iranischen Stromversorgungssystems zu entwickeln. Die beiden Turbinen für Bandar Abbas wurden zwischenzeitlich (September 2016 und November 2017) geliefert.

Als größter ausländischer Investor in Irans Kraftwerkssektor wurde Mitte 2016 das türkische Unternehmen Unit International präsentiert. Für 4,2 Milliarden US$ sollten gasbetriebene Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 5 GW entstehen. Die süd-koreanische SK E&C sollte die Anlagen bauen. Die Zukunft des Projekts ist unklar.

In einem kürzlich veröffentlichten Dokument der für den konventionellen Kraftwerkssektor zuständigen Thermal Power Plant Holding Company (TPPH; gehört zum Energieministerium) wird für 2021/22 die Inbetriebnahme von sechs Unit International Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 2,2 GW ausgewiesen. Die TPPH Planung für den Vierjahreszeitraum 2018/19 bis 2021/22 sieht zusätzliche Kapazitäten von 20,4 GW vor, davon sollen 13,7 GW auf den "Privatsektor" entfallen.

Anders als westliche Firmen dürfte China auch zukünftig im Kraftwerkssektor aktiv bleiben. In der Region Fars North will die Chinese Machinery Engineering Corporation (CMEC) ein 1.000 MW GuD-Kraftwerk (Gas- und Dampfturbinenkraftwerk) errichten. Die chinesische Harbin Electric will in Ramhormoz eine 880 MW Anlage bauen. China hat auch Vereinbarungen über die Modernisierung mehrerer Kraftwerke geschlossen.

Viele geplante Solarprojekte ohne Finanzierung

Iran möchte die Kapazitäten von Kraftwerken im Bereich erneuerbarer Energien (EE) bis 2021 auf 5 GW (ohne große Wasserkraftwerke) erhöhen, derzeit sind es rund 0,4 GW. Investitionen werden von privaten in- und ausländischen Unternehmen erwartet. Die Einführung eines attraktiven Einspeisetarifs hat zu lebhaftem Interesse geführt, aber es fehlen Projekt-Finanzierungen.

Nach Angaben der für den Abschluss der Stromabnahmeverträge zuständigen Renewable Energy and Energy Efficiency Organization (SATBA) wurden bis Februar 2018 mit insgesamt 172 Unternehmen Vereinbarungen über geplante EE-Projekte mit einer Gesamtkapazität von 2.960 MW abgeschlossen. Davon entfielen 1.529 MW auf Fotovoltaik-Anlagen und 1.339 MW auf Windkraft, die restlichen 92 MW verteilen sich auf Biomasse, kleine Wasserkraftwerke und WTE-Anlagen (Waste to Energy).

.