Märkte im Brennpunkt

istock / Eloi_Omella

Hier finden Sie konjunkturelle Kurzprofile von Ländern, die im besonderen Blick der Weltwirtschaft stehen und für die Armaturenindustrie nicht ohne Bedeutung sind.

Irans Wirtschaft im Sturzflug

Als Folge der im August und November 2018 reaktivierten US-Sanktionen schrumpft die iranische Wirtschaft wieder kräftig. Das BIP soll 2019 um 6 Prozent sinken. Im- und Exporte sind deutlich rückläufig. Die iranische Währung ist stark eingebrochen, die Inflation hat sich rasant beschleunigt. Die erheblichen Strukturprobleme der iranischen Wirtschaft erschweren die Lage zusätzlich. Außerdem droht aktuell eine Eskalation des Konflikts um das internationale Atomabkommen.

Dass die deutschen Exporte 2018 trotz des Ausstiegs der Amerikaner aus dem Atomabkommen noch zulegen konnten, hängt vor allem mit der Zeitverzögerung zwischen Auftragsvergabe und -abwicklung zusammen. Im Frühjahr 2019 war dann der Einbruch deutlich sichtbar. Die deutschen Lieferungen von Industriearmaturen in den Iran, die im Vorjahr noch um 65 % gewachsen waren, schrumpften im ersten Jahresdrittel um 42%. Exporte von Gebäudearmaturen sind bereits seit 2018 rückläufig und brachen im Zeitraum Januar bis April nochmals um 85 % ein. Der Schaden könnte dauerhaft sein. Selbst bei einer Lockerung oder einem Wegfall der Sanktionen in der nahen Zukunft rechnen Experten nicht mit einem schnellen Wiederaufleben des Iran-Geschäfts.

Türkei  - Wirtschaft weiter auf Talfahrt

Seit Ende 2018 befindet sich die türkische Wirtschaft in einer Rezession. Im 1. Quartal schrumpfte das BIP um 2,5 %. Der IWF erwartet für das Gesamtjahr 2019 ebenfalls ein Minus von 2,5 %. Erst ab 2020 könnte es wieder aufwärts gehen. Schwach ist vor allem der Konsum. Die Verbraucher sehen sich wegen der starken Inflation mit sinkenden Realeinkommen und hohen Kreditzinsen konfrontiert. Auch die neuen Iran-Sanktionen treffen die Türkei besonders hart. Außerdem drohen die USA ebenfalls mit Sanktionen für die Türkei. Wichtige Industriebranchen wie die Chemie schwächeln und halten sich mit Investitionen zurück. Erst Anfang Juli sorgte Präsident Erdogan mit der Entlassung des Notenbankchefs für neue Verunsicherung an den Märkten, was den Kursverfall der Lira wieder beschleunigen könnte.

Auch für die Armaturenbranche haben sich die Perspektiven deutlich eingetrübt. Der Absatz von Gebäudearmaturen dürfte in den kommenden Monaten im Zuge der Flaute der Bauindustrie und des schwachen Privatkonsums weiter zurückgehen. Deutsche Lieferungen in die Türkei nahmen 2018 zunächst nur um 2% ab. Allein im ersten Jahresdrittel 2019 schrumpften sie jedoch um 17%.

Bei Industriearmaturen zeigte sich nach dem starken Rückgang der deutschen Exporte im Vorjahr (-19 %) in den ersten vier Monaten eine leichte Erholung des Geschäfts ab (+6%). Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich dieser Trend in den nächsten Monaten fortsetzt.

Russland - Putins Infrastrukturprojekte sollen für Wachstum sorgen

Das russische Wirtschaftswachstum bewegt sich weiterhin unter Potenzial. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) soll das BIP 2019 um 1,6% zulegen. Die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn bremst derzeit den Konsum aus. Mit umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur sowie in das Gesundheits- und Bildungswesen will Präsident Putin der Konjunktur neuen Schwung verleihen. Auch für Armaturenbranche bieten sich damit interessante Einstiegsperspektiven. So sind Großprojekte in der Ölverarbeitung und in der Chemieindustrie geplant. Doch auch der Wohnungsbau profitiert. Bis 2024 sollen rund 425 Mio. qm Wohnfläche entstehen. Dank der Großprojekte will die Regierung ab 2021 wieder Wachstumsraten von über 3 Prozent pro Jahr erreichen.

Größter Störfaktor für deutsche Firmen ist momentan der volatile Wechselkurs. So hat der Rubelverfall die Importe verteuert, sodass chinesische Hersteller mit ihren preisgünstigen Erzeugnissen immer häufiger den Zuschlag bekommen. Sie bringen oft auch die passende Finanzierung mit, was angesichts der schwierigen Kapitalbeschaffung in Russland ein gewichtiges Kaufargument ist. Darüber hinaus gefährden die US-Sanktionen die Erholung der russischen Wirtschaft.

Im vergangenen Jahr importierte Russland Industriearmaturen im Wert von rund 870 Mio. €. Wichtigster Lieferant ist China (29,7 %), Deutschland folgt mit 14,2 % auf Rang zwei. Die deutschen Exporte von Industriearmaturen konnten nach einem schwachen Vorjahr in den ersten vier Monaten wieder um 9 % steigen.

USA – Armaturenbranche bleibt auf Expansionskurs

Die US-Wirtschaft zeigt sich derzeit noch robust. 2018 legte die weltgrößte Volkswirtschaft – auch dank des gigantischen Steuersenkungspakets von Trump – um 2,9 Prozent zu. Der Jahresauftakt 2019 verlief allerdings schwächer als erwartet. Der Handelskrieg mit China sorgt jetzt schon für hohe Liefer- und Einnahmeausfälle. Sollte es nicht zeitnah zu einer Einigung der beiden Großmächte kommen, droht beiden Ländern eine deutliche Konjunkturabschwächung. Dank der niedrigen Arbeitslosenquote von 3,8 % sind die Konsumenten momentan noch zuversichtlich.

Die amerikanische Armaturenbranche bleibt ebenfalls auf Kurs. Der Verband für Industriearmaturen VMA meldet ein Absatzplus von 1,5 % im vergangenen Jahr und erwartet 2019 eine Steigerung um 2,5 %. Die Ausfuhren von Gebäudearmaturen legten im vergangenen Jahr um 16,5 % auf 550 Mio. € zu. Der Export von Industriearmaturen war mit –3,5 % auf 5,1 Mrd. € Euro leicht rückläufig. Die Nachfrage nach deutschen Armaturen war hingegen weiterhin hoch. Die deutschen Exporte in die USA legten 2018 jeweils um rund 14 % auf 259 Mio. € (Gebäudearmaturen) bzw. 410 Mio. € (Industriearmaturen) zu.

Italien - Europas Sorgenkind

Die italienische Wirtschaft schwächelt. Unter den größten EU-Ländern weist das südeuropäische Land derzeit das geringste Wachstum aus und die Aussichten für die kommenden Jahre sind kaum besser.

Anfang April musste die Koalition aus rechter Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung ihre BIP-Prognose nochmals deutlich senken. Anstatt dringend notwenige Reformen in Angriff zu nehmen, besucht die Regierung mit kostspieligen Infrastrukturprojekten die Konjunktur anzukurbeln. Das bedeutet neue Schulden. An den Finanzmärkten wird entsprechend eine von Italien ausgehende neue Schuldenkrise befürchtet. Auch vom Inlandskonsum kommen kaum Impulse.Die Arbeitslosigkeit bleibt bis auf weiteres mit 10 Prozent recht hoch.

Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Talfahrt erweist sich die italienische Armaturenindustrie noch vergleichsweise unbeeindruckt. Sie setzte vor allem weiterhin auf ihre Ausfuhrstärke, die ihre Umsätze bei Gebäudearmaturen im vergangenen Jahr mit 1,2 Mrd. € halten und bei Industriearmaturen um weitere 1,8% auf 3,9 Mrd. € steigern konnte. Noch deutlich positiver lief es in dem schwierigen Umfeld für deutsche Exporteure. Die Ausfuhren von Gebäudearmaturen nach Italien stiegen 2018 um rund 12 Prozent auf 156 Mio. €. Die Exporte von Industriearmaturen wuchsen mit 5% zwar etwas weniger stark, aber auf immerhin 193 Mio. €.

Großbritannien - Brexit-Angst lähmt Wachstum

Die Konjunktur auf der Insel hat sich seit dem Brexit-Votum im Jahr 2016 spürbar verlangsamt. Der befürchtete große Einbruch ist allerdings bisher ausgeblieben.

2018 wuchs das BIP um 1,4 %. Für 2019 wird nur noch ein Plus von 1,2 % erwartet. Das 66 Millionen Einwohner zählende Land könnte dann seinen Status als zweitgrößte Volkswirtschaft Europas verlieren. Die Unsicherheit über den Ausgang des Brexit-Prozesses belastet weiterhin die Stimmung der Unternehmen und sorgt für einen Investitionsstau. Sollte der harte Brexit kommen, droht ein deutlicher Rückgang der Industrieproduktion und der Investitionen. Der Konsum schwächt sich trotz des robusten Arbeitsmarktes weiter ab.

Im Fahrwasser der allgemeinen Wachstumsschwäche lief auch die britische Armaturenindustrie nicht mehr rund. Die Ausfuhren von Gebäudearmaturen gingen 2018 nach einem schwachen Vorjahr um 0,3 % auf 328 Mio. € zurück. Die Industriearmaturen-Exporte schrumpften sogar um 7% auf 1,2 Mrd. €. Die deutschen Exporteure konnten hingegen bislang von der Brexit-Unsicherheit profitieren. Im Vorfeld des ursprünglich drohenden EU-Austritts Ende März kam es zu einer deutlichen Lageraufstockung. Die Exporte von Gebäudearmaturen nach Großbritannien stiegen 2018 um 32% auf den Rekordwert von 217 Mio. €. Die Lieferungen von Industriearmaturen legten ebenfalls kräftig (+16 %) auf 183 Mio. € zu. Langfristig ist hier jedoch mit einer deutlichen Wachstumskorrektur nach unten zu rechnen.

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