Wann ist Trinkwasser sauber? Das kommt darauf an, …

Wanja Jokob. fotolia (Teaser), trinkwasser-wissen.net (Glas)

Es ist wieder Zeit für die SHK Essen. Profis aus Handwerk, Installation, Planung und Beratung kommen in die Ruhr-Metropole, um sich u. a. über den neuesten Stand der Sanitärtechnik zu informieren.

Welche Produkte dabei im besonderen Rampenlicht stehen, entscheiden - wie immer - Aussteller und Besucher. Design, Funktionalität, Effizienz und Qualität gehören dabei zu den maßgeblichen Auswahlkriterien. Das gilt auch für Armaturen, Spülsysteme, Rohrverbinder oder Systemtrenner. Markenhersteller sehen sich insoweit höchsten Ansprüchen verpflichtet. Vor allem aber eint sie ein Ziel: Ein Beitrag für sauberes Trinkwasser.

Doch was bedeutet das eigentlich? Wann ist Wasser „sauber“?

Eigentlich ist das klar: Die Europäische Trinkwasserrichtlinie regelt das und schreibt dabei u. a. vor, welche Stoffe wie etwa Blei, Nickel oder Chrom in welchen Mengen maximal aus einer Trinkwasserinstallation an das Trinkwasser abgegeben werden dürfen.

Die Richtlinie wird in Deutschland durch die Trinkwasserverordnung umgesetzt, die wiederum das Umweltbundesamt (UBA) ermächtigt, sog. Positivlisten von Werkstoffen in Kontakt mit Trinkwasser zu führen. Dort sind Materialien aufgeführt, die sich mit Blick auf die Grenzwerte der europäischen Richtlinie als unbedenklich erwiesen haben. Vereinfacht ausgedrückt: Wer die vom UBA gelisteten Werkstoffe einsetzt, der hält die gesetzlichen Grenzwerte ein und sorgt für sauberes Wasser. Die Markenhersteller auf der SHK Essen unterstützen die Einrichtung solcher Positivlisten und verwenden für ihre Produkte nur entsprechend gelistete Werkstoffe.

Somit sollten die Hersteller eigentlich auf der sicheren Seite sein. Aber was heute als „sauber“ gilt, könnte morgen vielleicht schon „schmutzig“ sein:

Die Europäische Trinkwasserrichtlinie wird aktuell überarbeitet. EU-Parlament und Europäischer Rat haben sich Ende 2019 auf einen Vorschlag geeinigt, der u. a. die Absenkung diverser Grenzwerte vorsieht.

So soll etwa der Blei-Grenzwert um die Hälfte von zehn auf fünf Mikrogramm pro Liter reduziert werden - nach einer Übergangszeit von zehn Jahren. Wieso der bisherige Wert in zehn Jahren ein Gesundheitsproblem darstellen soll, darüber gibt es von europäischer Seite keine klare Begründung. Auch in Bezug auf die Verschärfung anderer Werte ist die Argumentation nicht immer nachvollziehbar, zumal angeblich zugrunde liegende Studien und deren Ergebnisse oftmals nicht klar benannt werden.

Wie dem auch sein, mit Blick auf unser Trinkwasser bedeutet dies: Die Regeln und die Maßstäbe dürften strenger werden. Und das betrifft nicht nur das Trinkwasser an sich, sondern auch das mit Trinkwasser in Kontakt kommende Material. Hier ist es die Chemikalienverordnung REACH, die den Druck erhöht. Auf deren Grundlage ist u.a. Blei bereits in den Kreis regulierungsbedürftiger Stoffe gelangt, verbunden mit dem erkennbaren (ideologischen) Ziel, dessen Verwendung sukzessive einzuschränken bzw. ganz zu verbieten.

Der VDMA und seine Markenhersteller unterstützen grundsätzlich alle Bestrebungen zur Gewährleistung höchster Trinkwasserqualität. Nicht von ungefähr kann das UBA deshalb die Güte deutschen Trinkwassers aktuell mit „sehr gut“ bewerten.

Ungeachtet dessen gibt es in Europa nach wie vor unterschiedliche Ansichten über einzuhaltende Standards mit der Folge, dass bewährte nationale Vorschriften und technische Standards etwa in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden durch Verordnungen und Richtlinien aus Brüssel - auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners - hinfällig werden. Der VDMA setzt sich seit Jahren nachdrücklich für die Harmonisierung der Anforderungen an Stoffe, Materialien und Produkte in Kontakt mit Trinkwasser ein und verweist dabei auch auf die bereits von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gemeinsam vorgelegten Werkstoffpositivlisten.

Dies würde den betroffenen Unternehmen nicht nur Planungssicherheit geben, sondern auch der Trinkwasserqualität zu Gute kommen - in ganz Europa.

Mehr zum Thema und zur Publikation „Europäische Trinkwasserqualität in Deutschland – oder deutsche Trinkwasserqualität in Europa?“ findet sich unter

https://arm.vdma.org/viewer/-/v2article/render/15983072

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