Kuwaits Bauwirtschaft mit Potenzial

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Zahlreiche Städtebauprojekte sind die Antwort auf den wachsenden Wohnraumbedarf in Kuwait. Auch das "Silk City"-Projekt ist wieder im Gespräch. Aber zwischen Planung und Realisierung klafft oft eine große Lücke.

Für Kuwaits Bauwirtschaft könnte es in nächster Zeit aufwärts gehen. Denn eine zügige Umsetzung der geplanten Wohnungs- und Städtebauprojekte würde der kuwaitischen Bauwirtschaft einen anhaltenden Boom bescheren. Allerdings verzögern sich oft staatliche Großprojekte (oder werden ganz aufgegeben) infolge der Spannungen zwischen Regierung und Parlament, das Vergabe und Durchführung öffentlicher Aufträge kritisiert und Prüfungen verlangt. Zudem erweist sich die angestrebte Einbindung privater Investoren als schwierig.

Die Bauindustrie ist zwischen 2014 und 2018 real um insgesamt 29 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig ist der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt von 2 auf geschätzte 1,4 Prozent gesunken.

Städtebauprojekte sollen Wohnungsmangel beseitigen

Der wichtigste Akteur im Wohnungsbausektor ist Public Authority for Housing Welfare (PAHW). Die Organisation ist für die Versorgung der einheimischen Bevölkerung mit Wohnraum zuständig. Derzeit liegen etwa 100.000 Anträge auf staatlich geförderten beziehungsweise bereitgestellten Wohnraum vor. Damit warten fast eine halbe Million Kuwaiter, also rund ein Drittel der einheimischen Bevölkerung, auf die Zuteilung von Häusern, Wohnungen oder erschlossenem Bauland.

Kuwaitische Staatsbürger haben grundsätzlich Anspruch auf staatliche Wohnungsversorgung (Cradle to Grave Welfare State). Die PAHW will durch Mega-Städtebauprojekte den Wohnungsmangel beseitigen. Nach offiziellen Angaben lebten Ende 2018 in rund 304.000 kuwaitischen Haushalten 2,08 Millionen Personen, darunter 0,65 Millionen Hausangestellte. Ein durchschnittlicher kuwaitischer Haushalt bestand aus 4,7 Einheimischen und 2,1 Hausangestellten. In mehr als der Hälfte der Haushalte lebten acht oder mehr Personen. Die Haushaltsgröße ist oft auf unfreiwillige Mehrgenerationenhaushalte zurückzuführen: Verheiratet Kinder wohnen infolge des Wohnungsmangels weiterhin bei den Eltern.

Die PAHW hat derzeit Projekte im Gesamtwert von 26 Milliarden US-Dollar (US$) im Bau oder weitere Vorhaben im Wert von 29 Milliarden US$ in Planung, so die Daten von MEED Projects (Middle East Economic Digest). Folgende Städtebauprojekte befinden sich in der Bauphase: South al-Mutlaa City (28.288 Wohneinheiten, vor allem Einfamilienhäuser), Sabah Al Ahmad (11.000), South Abduallah Al-Mubarak (3.260), West Abduallah Al-Mubarak (5.201), East of Taima (509), Jaber Al-Ahmed (6.673), Northwest Sulaibikhat (1.736), Wafra Housing Expansion (k.A.) und das Low-Cost Housing Project (9.800).

Der PAHW zufolge gibt es zwei Projekte in der Designphase: South Saad Al- Abduallah (25.000 Wohneinheiten) und East Sabah Al-Ahmed City (k.A.). Als zukünftige Projekte werden Nawaf Al-Ahmed (52.000 Wohneinheiten), Al Sabriya (52.000) und Al Khairan (35.530) genannt. Die Zukunft der geplanten Projekte gilt allerdings als ungewiss. Auch bei den schon im Bau befindlichen Vorhaben gibt es hinsichtlich der weiteren Entwicklung viele Fragezeichen.

Mit dem Bau der Sabah Al Ahmed City wurde 2011 begonnen. Die meisten Bauabschnitte sind fertiggestellt. Noch im Bau sind unter anderem Apartment-Komplexe. Im November 2018 ist ein Auftrag für 720 Apartments unterschrieben worden. Es wird an Plänen zur südlichen Erweiterung (South Sabah Al Ahmed) gearbeitet, als Berater sind Foster+Partners engagiert.

Auch die Jaber Al Ahmad City (westlich von Kuwait Stadt; Bezirk Al Jahra) ist schon zu großen Teilen fertiggestellt. Baubeginn war bereits 2005. Derzeit sind in der Planung unter anderem "Mixed-use" Projekte, Einzelhandelsprojekte, ein Business Center und ein islamisches Zentrum.

Das South Saad Al Abdullah City Projekt (südlich von Kuwait City) betreibt die PAHW gemeinsam mit der Korea Land and Housing Corporation (KLH). Das 4 Milliarden US$ Vorhaben kommt aber offensichtlich nur langsam voran. Die Planungen laufen seit 2016, mit den Design-Arbeiten wurde 2017 begonnen.

Das Mega-Projekt "Silk City" soll in Kooperation mit China realisiert werden

Ein erster Masterplan für den Bau der "Silk City" (Madinat al-Harir) in der weitgehend unerschlossenen Region Subiya wurde 2005 vorgelegt, erstellt von Eric Kuhne & Associates. Das Projekt verschwand zeitweise in der Versenkung, ist aber seit 2014 wieder in der Diskussion. Es erfolgte die Gründung einer Silk City Authority (Leiter seit April 2018: Faisal Al-Medlej), die nun für die Entwicklung der "Silk City" und der benachbarten Boubyan Island (mit dem neuen Mubarak Al Kabeer Port) zuständig ist.

Bereits 2014 gab es erste Absichtserklärungen über eine Zusammenarbeit mit China. Im Februar 2019 wurden anlässlich des Besuchs einer chinesischen Delegation einige Details der mit 86 Milliarden US$ veranschlagten ersten Entwicklungsphase bekanntgegeben. In der ersten Phase sollen unter anderem ein internationaler Flughafen sowie ein Schienennetz gebaut werden. Das chinesische Interesse scheint sich aber insbesondere auf den Ausbau des neuen Mubarak Al Kabeer Port zu richten. Beijings Engagement in Kuwait ist Teil der chinesischen "Neuen Seidenstraße" Strategie (One Belt One Road).

In späteren Ausbauphasen soll in "Silk City" das höchste Gebäude der Welt, der 1.000 Meter Mubarak Al-Kabir Tower mit über 200 Etagen, entstehen. Ferner sind unter anderem ein Kongress- und Messezentrum, eine Sport City sowie ein internationaler Business and Financial District geplant. Eine Wohnbevölkerung von letztlich 700.000 wird angestrebt.

Quelle: gtai

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