Gebäudearmaturen-Hersteller behaupten sich in der Krise

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Inlandsgeschäft bleibt 2020 stabil I Megatrend Gesundheit sorgt für Geschäftschancen I Verhaltene Aussichten für 2021

Die deutschen Hersteller von Gebäudearmaturen bleiben trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf Kurs. Nach einem guten Jahresauftakt hatten sie Pandemie-bedingt zwei schwache Monate zu verzeichnen. Danach schwenkte die Branche jedoch schnell auf einen Erholungskurs. Vor allem das Inlandsgeschäft erwies sich als Stütze. So wuchs der Inlandsumsatz in den ersten neun Monaten 2020 um insgesamt 4 Prozent. Das Auslandsgeschäft schrumpfte dagegen um 6 Prozent. Insgesamt ging der Umsatz dadurch um 1 Prozent zurück. 

„Das Corona-Jahr hat den Herstellern hochwertiger Gebäudearmaturen „Made in Germany“ vielerorts das erfolgreiche Geschäft verhagelt“, bewertet Wolfgang Burchard, Geschäftsführer des VDMA Gebäudearmaturen, die aktuelle Lage. Seit Juni zeichnet sich jedoch eine deutliche Verbesserung ab. Die Corona-Krise hat dem Megatrend Gesundheit nochmals zusätzlichen Schub verliehen. „Beim Thema „Healthy Living and Working“ sind die deutschen Hersteller von Gebäudearmaturen gut aufgestellt und können mit berührungslosen, vernetzten und wassersparenden Highend-Produkten international punkten“, hebt Burchard hervor. „Digitalisierung, Produkt- und Servicequalität sind die wesentlichen Stellschrauben für den deutschen und internationalen Markt.“

Technische Gebäudearmaturen liegen weiter vorn

In den einzelnen Produktgruppen entwickelten sich die Umsätze in den ersten neun Monaten 2020 unterschiedlich. Im Bereich Technische Gebäudearmaturen stieg der Umsatz trotz des schlechten Exportgeschäfts noch um 2 Prozent. Bei den Heizungsarmaturen stagnierte zwar das Inlandsgeschäft, dafür liefen jedoch die Geschäfte im Ausland besser, so dass insgesamt ebenfalls ein Plus von 2 Prozent erreicht wurde. Das Schlusslicht bildeten erneut die Sanitärarmaturen, die infolge eines sehr schwachen Auslandsumsatzes insgesamt ein Minus von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbuchten.  
 
Exporte stark rückläufig

In den ersten neun Monaten 2020 schrumpfte der Export deutscher Gebäudearmaturen um 14,1 Prozent auf insgesamt 2,2 Milliarden Euro. Die Liste der Top 10-Absatzländer wurde wie im Vorjahr von Frankreich angeführt. Die Lieferungen in das Nachbarland gingen um 13,5 Prozent auf 210,3 Millionen Euro zurück. Im Fall des zweitwichtigsten Abnehmerlandes, den USA, war der Rückgang des Exportgeschäfts noch etwas stärker. Die Lieferungen deutscher Gebäudearmaturen brachen um 25,7 Prozent auf 178,7 Millionen Euro ein. China folgte den USA auf dem dritten Platz. Nach einem bereits schwachen Vorjahresergebnis ging der Export in die Volksrepublik in den ersten neun Monaten nochmals um 6,4 Prozent auf 176 Millionen Euro zurück.   

Corona bremst Wohnungsbau in Europa

Nach einer aktuellen Schätzung von Euroconstruct, Forschungs- und Beratungsnetzwerk im Bausektor, ist im europäischen Wohnungsbau 2020 mit einem Minus von 8,6 Prozent zu rechnen. Deutschland kommt ebenso wie Nordeuropa, Österreich und die Schweiz vergleichsweise gut durch die Krise. Deutliche Rückgänge werden hingegen in Großbritannien, Irland, Frankreich und Spanien erwartet. Allerdings soll es in diesen Ländern schon im kommenden Jahr wieder deutlich aufwärts gehen. Das hohe Vorkrisenniveau wird jedoch so schnell nicht wieder erreicht.

Nach wie vor gibt es im deutschen Baugewerbe gegenläufige Trends. So bremsen zwar die hohe Verunsicherung der Konsumenten und die steigende Arbeitslosigkeit die Kauflaune. Auf der anderen Seite gelten Immobilien als sichere Wertanlage. Investitionen ins eigene Zuhause sind beliebt. Der Trend zum Home-Office trägt dazu bei, dass dem Industrie- und Bürogebäudebau auf lange Sicht schwierige Zeiten bevorstehen. 

„Angesichts des nach wie wachsenden Wohnungsmarkts werden die deutschen Hersteller von Gebäudearmaturen 2020 glimpflich davonkommen. Vor dem Hintergrund der Abschwächung der internationalen Baukonjunktur erwarten wir für das Gesamtjahr 2020 trotzdem einen leichten Umsatzrückgang von 1 Prozent“, prognostiziert Wolfgang Burchard. „Da die Erholung auf den Weltmärkten nur schleppend verläuft, rechnen wir für 2021 nur mit einem Plus von einem Prozent.“