Deutsche Chemieindustrie fürchtet starken Einbruch

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Inlandsumsatz im Frühjahr noch im Plus / Corona-Pandemie bremst die weltweite Nachfrage aus

Dank eines erfreulichen ersten Quartals ist die deutsche Chemiebranche robust ins Krisenjahr 2020 gestartet. Vor allem wegen der hohen Nachfrage nach Pharmazeutika, Hygieneartikeln und Verpackungsmaterial blieb die Branche auch im März noch von größeren Rückschlägen verschont. Die Produktion stieg im 1. Quartal um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schrumpfte zeitgleich um 1 Prozent auf 49,5 Milliarden Euro. Dabei legte das Inland nochmals leicht zu (plus 0,2 Prozent), während das Auslandsgeschäft um 1,7 Prozent zurück ging.

Die langfristigen Perspektiven sehen allerdings deutlich düsterer aus. Nach einer aktuellen Umfrage des Chemieverbandes VCI machen den Mitgliedern inzwischen rückläufige Aufträge, gestörte Lieferketten sowie fehelende Transportkapazitäten zu schaffen.

Während sich im Januar und Februar die Krise nur im Asiengeschäft bemerkbar machte, waren ab März auch deutliche Nachfrageeinbrüche aus dem Rest der Welt spürbar. Auch in den deutschen Chemieunternehmen kippte die Stimmung. Die Geschäftserwartungen brachen zunächst ähnlich stark ein wie in Zeiten der Weltwirtschaftskrise 2008/2009, erholten sich dann aber wieder leicht. Dabei steht die deutsche Branche mit einem Produktionsminus von 1 Prozent im März zunächst noch recht gut da. Die chinesische Chemieproduktion lag während des Shutdowns im Januar und Februar 12 Prozent unter dem Vorjahr. Die US-Chemie verbuchte im März ein Minus von 3,5 Prozent.

Nach der aktuellen VCI-Umfrage ist jedoch im Zuge des weltweiten Nachfragerückgangs für das zweite Quartal mit einem deutlichen Minus im deutschen Chemiegeschäft zu rechnen. Knapp Dreiviertel der Betriebe berichten von einem Mangel an Aufträgen. Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten, wie die mangelnde Verfügbarkeit von Vorprodukten, Personalengpässe sowie Einschränkungen bei Vertrieb und Logistik. Wenig erfreulich für die Armaturenbranche ist die Aussage, dass 60 Prozent der Befragten, Investitionen verschieben wollen.

Der Nachfragerückgang im Ausland ist deutlich stärker als im Inland. Die einzelnen Chemiezweige sind unterschiedlich betroffen. Zulieferer aus der Automobilbranche hatten mit stärkeren Einbußen zu kämpfen als Hersteller von Chemikalien für die Papierindustrie. Von Zuwächsen berichteten etwa Pharmaunternehmen, Hersteller von Desinfektionsmitteln und deren Grundstoffen sowie die Hersteller von Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln.

Aktuell erwarten 75 Prozent der Firmen einen Umsatzrückgang in Europa für 2020. Für das Gesamtjahr rechnet der VCI daher mit einem deutlichen Produktions- und Umsatzrückgang in der chemischen-pharmazeutischen Industrie in Deutschland.

Quelle: VCI